Das landarme Singapur als perfektes Forschungslabor für eine nachhaltige Stadtentwicklung

Es ist schwer, in Singapur herumzulaufen, ohne die architektonischen Spuren von WOHA in der ganzen Stadt zu bemerken. Von Schulen über öffentliche Wohnsiedlungen bis hin zu riesigen Wolkenkratzern hat WOHA ganz Singapur seinen wohldurchdachten und inspirierenden Stempel aufgedrückt.

Das Architekturbüro sieht Singapur mit seiner knappen Landfläche als perfektes Testumfeld für innovative urbane Lösungen. Die Architekten transformieren die Stadt, indem sie Umwelt- und soziale Prinzipien in ihren Designprozess einbeziehen.

Das Unternehmen, das nach den ersten beiden Buchstaben der Familiennamen der Mitbegründer Wong Mun Summ und Richard Hassell benannt wurde, hat durch seine 72 Projekte in 10 Ländern weltweit Anerkennung gefunden und unzählige Auszeichnungen erhalten, darunter auch die begehrte Auszeichnung des World Building of the Year beim jährlichen World Architecture Festival.

Hartnäckige Leidenschaft

Erfrischenderweise sind für WOHA die wesentlichen Triebkräfte nicht die Honorare oder die Erbauung der glamourösesten Wohnung, sondern der Anspruch, die drängenden Probleme des 21. Jahrhunderts anzugehen und die Zukunft neu zu denken.

„Wir wollen diese Probleme lösen, weil dies die Dinge sind, die die Menschen beunruhigen und nachts wach halten“, sagt Richard.

Seine Leidenschaft für Architektur entspringt dem „Ermöglichen einer positiven Zukunftsvision und deren Umsetzung in die Realität“.

Mun Summ stimmt dem zu und sagt, dass Architekten „leidenschaftlich sein müssen, weil das, was sie tun und bauen, die Menschen erheblich beeinflusst“.

Bei Projekten, die in der Regel mehrere Jahre dauern, muss die Leidenschaft eines Architekten inmitten von Herausforderungen bestehen bleiben. Ihre Ideen müssen auch beweglich genug sein, um langfristig relevant zu sein.

Die wegweisende öffentliche Wohnsiedlung Kampung Admiralty, die speziell für ältere Menschen gebaut wurde, ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie die Pläne eines Architekten Gestalt annehmen und das tägliche Leben beeinflussen.

Das Projekt war so erfolgreich, dass Kampong Admiralty sich gegen 535 Projekte aus 57 Ländern durchsetzen konnte, um den Hauptpreis beim World Architecture Festival 2018 zu gewinnen.

Da es sich um eine öffentliche Wohnsiedlung handelt, waren beim Bau drei verschiedene Regierungsbehörden mit unterschiedlichen Zielen involviert, die jedoch in relativ kurzer Zeit, in nur drei Jahren, zusammenarbeiten und das Projekt mit WOHA abschließen konnten.

„Eine der Stärken Singapurs in der Welt der Architektur besteht darin, dass sich die Regierung und die Behörden intensiv darum bemühen, die Vorschriften zu verfeinern, um die Kreativität nicht zu beeinträchtigen oder die nachhaltige Umsetzung zu erschweren“, sagt Mun Summ.

„Es gibt einen sehr guten Feedback-Mechanismus, mit dem wir direkt mit den Personen sprechen können, die diese Regeln und Vorschriften verfassen, und ihnen mitteilen können, ob sie wirksam sind oder nicht“, fährt er fort.

Ein Paradebeispiel dafür war die Wohnanlage Newton Suites, in der WOHA eine Landschaftsfläche, die so groß ist wie das eigentliche Entwicklungsgelände selbst, errichten konnte. Überzeugt, dass Grünflächen in einer Bauentwicklung vollständig ersetzt werden könnten. Die Stadtentwicklungsbehörde von Singapur hat beschlossen, auf der Grundlage dieser Prinzipien die Richtlinie zum hundertprozentigen Ersetzen von (durch Bebauung verlorenen) Grünflächen zu erlassen.

Positive Zukunftsaussichten

„Singapur ist wie ein Forschungslabor für innovative urbane Lösungen“, sagt Richard, „mit vielen Menschen, die sehr hart arbeiten und wirklich interessante Ergebnisse erzielen.“

In einer Welt, die ständig an ökologische Grenzen stößt, forscht Singapur weiter daran, wie man diese Grenzen durch Design und Innovation überwinden kann, sagt Mun Summ und fügt hinzu: „Das Land ist eine perfekte Vorlage, um sich vorzustellen, wie zukünftige Städte sein sollten.“

Mit mehr als 80 % der Bevölkerung Singapurs, die in staatlich geförderten Wohnungen lebt, ist das Wohnen ein zentraler Punkt auf Singapurs Smart Nation Agenda. Computermodelle, Datenanalyse und Sensoren werden zur Überwachung und Messung der Umweltleistung von solchen öffentlichen Wohnungssiedlungen eingesetzt. Und intelligente Planungstools simulieren Umgebungsbedingungen wie Wind und Sonnenschein, um die Platzierung und Ausrichtung neuer Wohnungen zu bestimmen.

„Ich denke, es ist einer der wenigen Orte auf der Welt, an denen verschiedene Agenturen und Interessengruppen motiviert sind, zusammenzuarbeiten, um diese Zukunftsvision umzusetzen, anstatt dass jeder sein eigenes kleines Reich hat und sich nicht auf diese zusätzliche Arbeit und die Mühe einlässt, um Dinge zu ändern“, sagt Richard. „Es ist ein sehr zukunftsorientiertes Umfeld, in dem man arbeiten kann. Das ist einfach fantastisch.“

Die Stadt als Exponat

In Singapur fanden zahlreiche Veranstaltungen statt, darunter das berühmte World Architecture Festival und das jährliche Archifest. Diese Ereignisse waren für die Branche von besonderer Bedeutung.

„Die Stadt ist selbst das beste Ausstellungsstück“, sagt Richard. „Eigentlich ist sie wie eine Ausstellung zukünftiger Lösungen, die Architekten besuchen können.“

Mun Summ erzählt, dass viele seiner Kollegen, die ihn besuchen, kaum glauben können, wie fortschrittlich Singapur in vielen Bereichen ist.

Solche internationalen Events dienen als ideale professionelle Begegnungsplattformen, die unterschiedliche Sichtweisen zusammenführen.

„Hier gibt es eine allgemeine Leidenschaft, neue Dinge anders zu machen und Probleme zu lösen“, sagt Richard. „Es ist in gewisser Weise ein Generator für neue Ideen und Lösungen, die sich dann auf der ganzen Welt ausbreiten.“

Mun Summ stimmt zu: „Kurz gesagt ist Singapur ein sehr intensiver und leidenschaftlicher Ort für neue Möglichkeiten.“