Singapur ist mehr als nur eine Stadt voller glamouröser Einkaufszentren und Luxusmarken. Hier leben leidenschaftliche lokale Kunsthandwerker, Künstler und Geschäftsleute.

Während des Ausbruchs der COVID-19-Pandemie standen viele dieser lokalen Helden vor schier unüberwindlichen Herausforderungen, die sie jedoch mit Würde, Hartnäckigkeit und purer Leidenschaft für ihr Handwerk meisterten.

Werfen Sie einen Blick hinter die Kulissen mit unseren Helden des Einzelhandels, und durchleben Sie mit ihnen ihre Schwierigkeiten und Triumphe während dieser harten Zeiten.

Nahaufnahme von Kenry Peh, Inhaber von Pek Sin Choon in vierter Generation

Tradition inmitten neuer Herausforderungen

„Es ist gerade eine sehr herausfordernde Zeit, aber durch unsere Adern fließt Tee!“, meint Kenry Peh, Inhaber der beliebten Traditionsmarke Pek Sin Choon in vierter Generation.

Kenrys Lebenswerk konzentriert sich darauf, die Traditionen rund um den Tee zu erhalten. Da seine Originalmischungen aus geröstetem Tee in fast jedem Bak Kut Teh Lokal (pfeffrige Schweinesuppe) enthalten sind, lässt sich wohl ohne Übertreibung sagen, dass sein 95 Jahre altes Unternehmen bereits mehrere Generationen an Singapurern bedient hat.

Hier werden die Teeblätter immer noch liebevoll von Hand in traditionelle Papierrechtecke gewickelt. Mithilfe einer jahrzehntealten Falttechnik produzieren die bereits etwas älteren Packer in Pek Sin Choons Shophouse in der Mosque Street jeden Tag geschickt die beeindruckende Anzahl von 2.000 Paketen.

Trotz steigender Kosten und sinkender Kundenzahlen aufgrund der verschärften Social-Distancing-Maßnahmen in der Anfangsphase der Pandemie blickt Kenry optimistisch in die Zukunft, da er mittlerweile wieder Kunden persönlich in seinem Laden begrüßen darf.

Kenrys ungebrochener Einsatz für sein Handwerk ähnelt dem von anderen selbständigen Unternehmen, die zu Beginn der Pandemie mit stark sinkenden Absatzzahlen zu kämpfen hatten.

In der Bekleidungsindustrie bemüht sich das Modelabel Reckless Ericka, lokale Handwerkskunst am Leben zu erhalten. Das Damenlabel unter der Leitung der Singapurer Designerin Afton Chen outsourct seine Näharbeiten an Schneider(innen), deren Leben andernfalls stark von der Pandemie beeinträchtigt worden wäre.

„Ich arbeite bereits seit 11 Jahren mit diesen Damen zusammen. Ich bewundere ihre Geschicklichkeit aufrichtig, und wir sind fast wie eine Familie“, erklärt Afton ihre Entscheidung, weiterhin benachteiligte Kunsthandwerker einzusetzen. „Unsere Kundinnen verstehen, dass sie ein riesiger Bestandteil unserer Marke und unserer Identität sind.“

Zwei Packer beim Produzieren von Teepackungen im Pek Sin Choon Shophouse
Foto von Afton Chen, Inhaberin des Modelabels Reckless Ericka, mit einer ihrer Damenkreationen

Anpassen an Herausforderungen, um diese zu überwinden

Seit Beginn der Pandemie sahen sich viele andere stationäre Einzelhändler gezwungen, sich anzupassen und sich mit unternehmerischem Erfindungsgeist über Wasser zu halten.

Books Actually, ein Veteran in der lokalen Literaturszene, ist so ein Beispiel. Der beliebte Buchladen in Tiong Bahru stellte im September seinen Betrieb komplett auf Online-Verkauf um, sodass Leseratten weiterhin ihre Bücher ganz bequem von zuhause aus kaufen können.

Durch sein vorausschauendes, hartnäckiges Handeln gelang es Inhaber Kenny Leck, sein Geschäft weiterzuentwickeln, das Konzept der Büchercommunity umzugestalten und ein neues Kapitel in der Unternehmensgeschichte aufzuschlagen. „Vor dem Lockdown hatten wir nur 600 Titel online“, beschreibt Kenny den Anfang seines Vorhabens. „Jetzt haben wir bis zu 2.500, und es kommen täglich neue dazu.“

„Wir haben sogar die Art verändert, wie wir Werbung für unsere Schriftsteller machen, indem wir jetzt komplett auf digital setzen.“ Um mehr Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, setzte Kenny auf die Innovation und den Einfluss von Onlinemedien: Er veranstaltete eine Reihe von Live-Instagram-Chats und virtuellen Interviews mit lokalen und internationalen Autoren aus allen Gesellschaftsschichten.

Ähnlich wurde auch Sifr Aromatics dazu bewogen, auf Onlinehandel umzusteigen, als die Parfümerie in der Arab Street schließen musste.

Sein Onlineshop wurde im April 2020 gegründet und bietet weltweiten Versand an, um auch potenzielle Kunden außerhalb unserer Insel zu erreichen.

„Auch wenn wir gerade [physisch] auf Abstand zu unseren Kunden gehen müssen, sind wir durch andere Kanäle wie E-Mail und soziale Netzwerke besser erreichbar geworden“, meint Gründer Johari Kazura, der aus einer Familie von Parfümeuren stammt.

Da in dieser Zeit keine persönliche Duftberatung stattfinden durfte, verschickte Herr Kazura proaktiv Pröbchensets, die er um genaue Beschreibungen der Düfte und persönliche Empfehlungen ergänzte.

Obwohl er Kunden zu Beginn von COVID-19 nicht persönlich treffen konnte, gab ihm Onlinekommunikation die Möglichkeit, manche ihrer Bedürfnisse besser zu verstehen.

„Ich habe tatsächlich eine noch engere Beziehung zu manchen Kunden, die uns über soziale Netzwerke von zuhause aus kontaktieren“, erklärt er. „Dadurch habe ich erkannt, wie wichtig wir für sie sind.“

Kenny Leck, Inhaber von „Books Actually“, als Gastgeber einer Reihe von Live-Instagram-Chats mit einheimischen und internationalen Autoren
Nahaufnahme eines Parfümpröbchensets von Sifr Aromatics

Ungebrochene Leidenschaft

Trotz neuer Veränderungen in den kommenden Monaten haben unsere Helden des Einzelhandels ihre Unternehmen weitergebracht, neue Wege zur Kundenbindung gefunden und sich weiterhin voller Leidenschaft trotz einer ungewissen Zukunft engagiert.

„Ich denke, dass wir gestärkt aus dieser Erfahrung hervorgehen werden“, meint Afton. Sie bereitet derzeit den Launch einer neuen Kollektion vor und führt verschiedene Kundengespräche.

Jamal fasst das Ganze selbstbewusst zusammen: „Es geht nicht darum, möglichst schnell zu verkaufen. Am Ende des Tages führt die persönliche Erfahrung, die wir den Kunden bieten, dazu, dass diese wieder zu uns zurückkommen.“

Und so zeigen lokale Leser kontinuierlich ihre tiefe Wertschätzung für Kenny Leck und dessen Einsatz für die örtliche Literaturszene.

„Einer meiner Kunden, der davor einmal im Monat Bücher kaufte, begann während der Pandemie, jede Woche neue Bücher zu kaufen“, erzählt Kenny. „Als ich mich bei ihm bedanken wollte, meinte er nur, dass dies seine Art sei, uns durch diese harte Zeit zu helfen. Kunden aus Übersee haben ebenfalls Bücher gekauft und Online-Nachrichten hinterlassen, um uns Mut zuzusprechen … Das war wirklich sehr nett.“

Nachdem er im Laufe der Jahrzehnte so viele Schwierigkeiten gemeistert hat, ist Herr Peh fest entschlossen, die Vision von Pek Sin Choon weiter voranzubringen und findet vielleicht die besten Worte im Hinblick auf die Zukunft.

„Die Kunst der Teeherstellung ist immer bittersüß, und die Welt ändert sich laufend“, meint er. „Doch die Vision von Pek Sin Choon wird sich nie ändern, und wir sind weiterhin da, um Menschen in die Welt des Tees einzuführen.“

Nahaufnahme von Jamal Kazura, Gründer von Sifr Aromatics
Foto von Kenny Leck, Inhaber von Books Actually